Die Moral von der Geschichte

Das Dorffest ist nun offenbar auch finanziell beendet. Zwar ist die Rechnung im Detail derzeit wohl nur dem Gemeinderat und der GRPK bekannt, zumindest den Ertrag von CHF 1’129.92 hat das OK nun kommuniziert.

CHF 1’129.92

Wie geht man nun mit einem solchen Ergebnis um? Was lernen wir daraus?

Die Antwort auf diese Fragen lässt nicht lange auf sich warten:

Im Traktandum 8 der Einladung zur Gemeindeversammlung am 16. Juni 2016 stellt das OK den Antrag, man möge den beteiligten Vereinen einen pauschalen Betrag von CHF 50’000 aus Steuermitteln überlassen. Dabei befinde sich das OK des Dorffestes „nun quasi in der moralischen Verpflichtung gegenüber den Vereinen“.

Damit, dass das OK sich in einer moralischen Verpflichtung gegenüber den Vereinen befindet, bin ich vollkommen einverstanden. Allerdings nicht in der Verpflichtung, sich mit dem Geld anderer Leute aus der Verantwortung zu stehlen. Denn vor allem die Vereinsmitglieder würden das Dorffest auf diese Weise quasi zweimal bezahlen: mit ihrem Einsatz am Dorffest einerseits. Und dann noch einmal mit ihren Steuergeldern.

Unter diesen Umständen wird es sehr schwierig werden, je wieder Leute und Vereine zu finden, die das Risiko auf sich nehmen, ein zukünftiges Dorffest zu organisieren.

Diese Aussage aus dem Traktandum muss hinterfragt werden. Unter welchen Umständen? Wird es einen einzigen Menschen in Röschenz geben, der in Zukunft die Verantwortung für ein Dorffest übernimmt, nur, weil von Vornherein davon ausgegangen wird, dass die Gemeinde ja sowieso alle Löcher stopft? Weil, falls es wieder nicht gelangt hat, die Arbeit der Vereine einfach aus Steuermitteln finanziert wird?

Wohl kaum. Niemand wird das Geld der Gemeinde, den Ertrag unserer Arbeit, unsere Steuern, aus dem Fenster werfen, gewissermassen eine Party auf Gemeindekosten organisieren wollen. Schon gar nicht unter den Vorzeichen, die sich bereits heute in der Rechnung der Gemeinde andeuten: immer höhere Aufwände durch staatliche und kantonale Vorgaben und Gesetze, stetig steigende Kosten im Bereich Bildung, Soziales, Asyl, und das im Umfeld einer globalen wirtschaftlichen Stagnation, der wir bisher zwar gut entkommen sind, der wir jedoch nicht werden davonlaufen können.

Dass wir das Wissen und die Erfahrung in der Gemeinde haben, auch ohne Steuermittel erfolgreiche Anlässe zu bewältigen, beweisen nicht zuletzt die Vereine selber: egal ob grosse Turnfeste, Fasnachtsumzüge oder Augustfeiern: die meisten unserer Vereinsanlässe schliessen positiv ab, ohne Eintrittsgelder, ohne Riesen-Tombolas, ohne Defizitgarantie und ohne zusätzliche Steuergelder.

Es gibt also genug Menschen im Dorf, die wissen, wie man Anlässe erfolgreiche organisiert. Diesen Menschen, aber auch allen anderen, sollte man zu allererst Einblick in die Details des Dorffestes, in die Rechnung und Protokolle des Anlasses geben, einen Eindruck dessen ermöglichen, was tatsächlich passiert ist.

Nur die Sicherheit, bei gutem Wetter auch ein gutes Ergebnis einfahren zu können, für unser Dorf nicht nur ein schönes Fest, sondern auch ein finanziell akzeptables Ergebnis produzieren zu können, wird überhaupt wieder ein Dorffest ermöglichen, wird Menschen zur Übernahme dieser Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung bewegen. Und diese Sicherheit werden wir nur erhalten, wenn wir uns selber ein Bild davon machen können, was genau bei diesem Dorffest geschehen ist.

Im Antrag findet sich eine Formulierung, die den Eindruck erweckt, genau das sei bereit geschehen: die GRPK habe die vorliegenden Unterlagen geprüft. Dem ist mitnichten so: die Aufgabe der GRPK besteht ausschliesslich darin, die Richtigkeit der Rechnungsführung zu prüfen, die Vollständigkeit der Belege und die Übereinstimmung der Buchhaltung mit den gesetzlichen Vorgaben sicherzustellen. Wie, wofür und in welcher Höhe Gelder verwendet wurden ist nicht Sache der Kommission, ebenso wenig hat sie über organisatorische Aspekte des Dorffestes zu befinden. Wer genauer hinschaut und vor allem liest, was dort nicht steht, kommt eher zu dem gegenteiligen Schluss: weder wird der Rechnung ein positives Zeugnis ausgestellt, noch wird ihre Qualität bewertet. Sie wurde lediglich geprüft. Mehr nicht.

Was bedeutet das nun aber für die anstehende Versammlung?

Die Tatsache, dass der Gemeinderat selber den Antrag des OK zur Ablehnung empfiehlt, bedeutet wohl, dass er zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen ist: nur Aufklärung und Transparenz, nicht ein pauschaler Geldregen aus der Steuerkasse, wird einen zumindest moralisch positiven Abschluss des Festes ermöglichen.

Daher wäre es für die Vereine wie für uns Steuerzahler vor allem wünschenswert, wenn statt pauschaler Geldgeschenke einfach nur eines gemacht würde: die Offenlegung aller Unterlagen und der Abrechnung des Dorffestes für alle interessierten Einwohner. Damit sich jeder selber ein Bild machen kann, ohne nur auf die Interpretation der Beteiligten angewiesen zu sein.

Hier zur Information noch der vollständige Text des Traktandums zur Gemeindeversammlung vom 16. Juni 2016, wie im «Mattegumper» der Gemeinde publiziert:

Traktandum 8
Antrag OK Dorffest für Auszahlung an Vereine

Das Dorffest 2015 ist Geschichte und war Dank dem Einsatz von unzähligen Vereinsmitgliedern ein voller Erfolg. Tausende von Gästen haben unser Dorffest besucht und einen tollen Eindruck mit nach Hause genommen.

Dass sich nun dieses Engagement finanziell nicht auszahlt, ist sowohl für die Vereine, wie auch für uns, eine grosse Enttäuschung und geht uns nahe. Leider ist es uns, dem Organisationskomitee, nicht gelungen, die Ausgaben zu übertreffen und den budgetierten Gewinn zu realisieren. Mehreinnahmen müssen in Zukunft durch z.B. einen Eintritt sowie eine grössere Lotterie und Tombola generiert werden. Es stellt sich auch die Frage ob die Gemeinde als Initiator des Dorffestes sich in Zukunft nicht nur über eine Defizitgarantie beteiligt, sondern zum Beispiel auch gewisse Posten wie Sicherheit, Verkehr und sanitäre Einrichtungen übernimmt.

Da die mitwirkenden Vereine für ihre grosse Leistung nicht entsprechend entschädigt werden konnten, befindet sich das OK des Dorffests nun quasi in der moralischen Verpflichtung gegenüber den Vereinen. Unter diesen Umständen wird es sehr schwierig werden, je wieder Leute und Vereine zu finden, die das Risiko auf sich nehmen, ein zukünftiges Dorffest zu organisieren.

Um den Röschenzerinnen und Röschenzern die Möglichkeit zu geben, über eine Entschädigung der Dorfvereine zu befinden, stellt das OK den folgenden Antrag anlässlich der Gemeindeversammlung vom 16.06.2016:

Das Organisationskomitee des Dorffests Röschenz 2015 beantragt der Gemeindeversammlung die Aufstockung des finalen finanziellen Resultates von CHF 1’129.92 des Dorffests Röschenz 2015 auf CHF 50‘000.

Dieser Betrag wird entsprechend dem von den Vereinen vorgängig beschlossenen Schlüssel an die mitwirkenden Vereine überwiesen. Die Geschäfts– und echnungsprüfungskommission hat die vorliegenden Unterlagen geprüft. Der Gemeinderat empfiehlt den Versammlungsteilnehmerinnen und –teilnehmern die Ablehnung des Antrages.

One Comment

  1. Mamie Marx

    Den Vereinen in Röschenz gebührt ganz grosses Lob! Sie verzichteten auf einen Beitrag zu Lasten des Steuerzahlers…!!! Das finanzielle Fiasko des Festes beruht auf einem groben Missmanagment der Organisatoren.

    Am vorletzten Fest gehörte ich noch zu den Sponsoren, ich habe es gerne gemacht und war über das wirklich gelungene Fest erfreut. In guter Erinnerung ist mir das Seifenkisten- Rennen der Kinder durchs Dorf. Die Jungen waren voller Begeisterung und ihre Eltern fieberten enthusiastisch mit, es war richtig amüsant. Und so bescheiden……

Comments are closed.